Interview
Warum spielst Du Trompete?
Ich hatte immer das Bild vor Augen von einem Troubadour, der mit den Mitteln seiner Kunst Neuigkeiten verbreitet. Das wollte ich auch – mit meiner Trompete. Und das will ich auch heute noch. Ich habe schon während meines Studiums die Trompete als ein Instrument empfunden, das vernachlässigt wurde. Vernachlässigt auch von den Komponisten, die noch lange nicht alle Möglichkeiten des Instruments kennen und nutzen. Und da sehe ich eine Aufgabe für mich: die Spieltechnik weiter zu entwickeln und Komponisten für die Trompete zu interessieren.
Und warum die Trompete? Lag das in der Familie?
Nein. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen. Dort gab es ein Blasorchester, und die brauchten Trompeter. So einfach war das.
Deine Idee vom Troubadour, der Neues berichtet, führt ja zwangsläufig zur zeitgenössischen Musik. War Dir das von vornherein klar?
Ich kannte zunächst überhaupt noch keine neue Musik. Neue Musik habe ich dann erstmals im Fernsehen gehört. Ich sah, wie die Leute im Publikum die Hände an die Ohren legten. Da dachte ich: genau das will ich – dass Leute sich anstrengen und sich wundern über das, was sie hören. Ich habe immer schon Extreme gesucht, nur konnte ich sie zunächst nicht benennen. Jetzt weiß ich es besser.
Wie hast Du es dann vom Blasorchester zur zeitgenössischen Musik geschafft?
Das war ein harter Weg. Noch auf dem ersten Konservatorium in Enschede habe ich mit gegen diese typische Blechbläser-Mentalität ankämpfen müssen. Besser wurde es während meines Studiums in Amsterdam. Gleichzeitig wurde ich Mitglied in dem Europäischen Jugendorchester. Das war ermutigend. Ich traf Reinhold Friedrich, der mir Unterricht gab und mich später zu Markus Stockhausen schickte. Zum ersten Mal sah ich jemanden, der sehr schlank ist und trotzdem ein ausgezeichneter Trompeter ist! Und er ging seinen eigenen Weg. Dazu hat er auch mich ermutigt.
Nun spielst Du bei den Michaelstrompetern, bist Mitglied der MusikFabrik und des Ives Ensembles. Dein Ziel hast Du also erreicht....
Ich fühle mich sehr wohl in diesem Umfeld. Trotzdem sehe ich darin nur einen Zwischenschritt für mich. Ich suche noch kleinere Besetzungen. Ich habe – etwa in der Arbeit mit Michael Vetter oder Melvyn Poore – gemerkt, dass ich so ein ganz anderes Potential entwickeln kann. In einem Ensemble muß man immer Kompromisse eingehen, vor allem, wenn man unter einem Dirigenten spielt. Die Trompete hat dem zu folgen, was dem Dirigent und natürlich auch dem Komponist vorschwebt. Ich möchte mich noch ein Stück da heraus entwickeln.
Kleinbesetzte Werke mit Trompete gibt es kaum. Hast Du bereits Schritte unternommen, etwas daran zu ändern?
Ich bin dabei. So habe ich bereits viel mit dem Komponisten Richard Ayres zusammengearbeitet und einigen [anderen] holländischen Komponisten. Gegenwärtig bin ich im Gespräch mit Beat Furrer, Maria de Alviar, Karin Haussmann und Gerald Barry, Isabel Mundry schreibt ein Stück für mich (Uraufführung 2-12-2001, WDR Köln), Peter Eötvös hat für mich mit Ensemble komponiert (Uraufführung 25-11-2001, Basel).
Außerdem reizt mich die Improvisation, weil ich mich da intensiver mit dem auseinandersetzen kann, was mich gerade an der Trompete interessiert.
Und die technische Erweiterung des Instruments ...?
... empfinde ich ebenfalls als eine Herausforderung. Ich habe mir gerade eine Trompete entwickelt mit 5 Ventilen: die 3 normalen plus ein viertes für Vierteltöne, und das fünfte das schaltet zwischen zwei Schalltrichter! Für dieses Instrument wurde schon komponiert, letztem März spielte ich eine Uraufführung von Pieton de Hauterivesvon dem Holländischem Komponisten Martijn Padding.
Die Trompete ist von alters her ein Instrument der Verkündung. Dieser Gedanke sollte Dir demnach gefallen...
Ja, sehr. Doch will ich dabei nicht stehen bleiben.
Das Interview führte Raoul Moerchen im März 2000.